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Was ist ein Trauma?
Eine normale Reaktion auf unnormale Ereignisse
In meinem Berufsalltag höre ich oft den Satz: „Ich müsste das doch eigentlich wegstecken können.“
Doch ein Trauma hat nichts mit persönlicher Schwäche oder mangelnder Disziplin zu tun. Es ist eine biologische Überforderungsreaktion des Gehirns.
Wenn das Erlebte den Rahmen sprengt
Ein Trauma (griechisch für „Wunde“) entsteht, wenn wir Situationen erleben, die mit extremer Angst, Hilflosigkeit oder dem Gefühl von Lebensgefahr verbunden sind. Im Einsatz – sei es im militärischen Dienst oder bei Rettungskräften – sind das oft Momente, in denen die gewohnten Schutzmechanismen nicht mehr ausreichen.
Normalerweise verarbeitet unser Gehirn Erlebnisse und legt sie geordnet im „Archiv“ der Vergangenheit ab. Bei einem traumatischen Ereignis funktioniert dieser Prozess nicht mehr: Die Flut an Reizen ist so überwältigend, dass das Gehirn die Informationen nicht richtig abspeichern kann.
Das „unverdaute“ Erlebnis
Man kann sich ein Trauma wie ein Erlebnis vorstellen, das nicht verdaut werden konnte. Es bleibt im System „stecken“. Das führt dazu, dass das Ereignis auch Jahre später noch so wirken kann, als würde es gerade erst passieren.
Typische Anzeichen dafür sind:
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Flashbacks: Ungewollte, schmerzhafte Erinnerungsbilder.
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Hyperarousal: Eine ständige innere Anspannung und Wachsamkeit (das Gefühl, immer „auf Empfang“ zu sein).
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Vermeidung: Man meidet Orte, Menschen oder Gedanken, die an das Erlebte erinnern könnten.
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Emotionale Taubheit: Das Gefühl, innerlich leer zu sein oder den Bezug zu geliebten Menschen zu verlieren.
Warum Spezialisierung hier wichtig ist
Besonders bei Soldaten und Einsatzkräften sind Traumata oft komplex. Es geht nicht nur um ein einzelnes Ereignis, sondern oft um die Summe extremer Belastungen über einen langen Zeitraum. Hinzu kommen spezifische Faktoren wie moralische Konflikte oder das Gefühl, mit dem Erlebten in der zivilen Welt nicht verstanden zu werden.
Mein Ziel: Integration statt Verdrängung
In meiner Praxis arbeiten wir daran, diese „unverdaute“ Erfahrung schrittweise zu verarbeiten. Mein Ziel ist es nicht, Symptome nur zu verwalten, sondern Ihnen dabei zu helfen, echte Resilienz aufzubauen. Das Trauma soll zu einem Teil Ihrer Geschichte werden, der Sie nicht mehr im Griff hat, sondern den Sie kontrollieren können.
Wichtig: Ein Trauma ist eine Wunde, die heilen kann. Der erste Schritt zur Heilung ist das Verständnis, dass Ihre Reaktion auf
das Erlebte eine normale Folge außergewöhnlicher Umstände ist.